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Die Rache des Würgers

aka

Bride of the Monster


‘It'll make your skin crawl!’


Originaltitel: Bride of the Monster (1955) Regie: Edward D. Wood Jr. Drehbuch: Edward D. Wood Jr. & Alex Gordon
Darsteller: Bela Lugosi, Tor Johnson, Tony McCoy FSK: 16


Wenn es um die Filme von Ed Wood geht, wird gerne mal herzhaft gelacht und jeder Filmfehler mit der Lupe gesucht. Ich für meinen Teil spiele bei diesem Quatsch nicht mit und sehe seine Filme nicht unbedingt auf diese Weise. In meinen Augen bieten Woods Filme mehr, als bloßen 'Trash zum Auslachen' und jeder hat seine gewissen Stärken. Sei es 'Glen or Glenda' dessen Sichtung wohl mit einem mittelschweren LSD-Trip gleichzusetzen ist, 'Plan 9 from Outer Space', der wohl stimmungsvollste Wood-Film oder eben 'Bride of the Monster' (auf deutsch unsinnigerweise auch als 'Die Rache des Würgers' veröffentlicht), den ich persönlich für den unterhaltsamsten halte.

Fingerhypnose. Dafür muss man Ungar sein!

Bride of the Monster erzählt die Geschichte von Dr. Eric Vornoff (Bela Lugosi), der mit seinem stummen Gehilfen Lobo (Tor Johnson) in einem alten Herrenhaus in den Sümpfen lebt und von der Idee besessen ist, eine Rasse von atomaren Supermenschen zu züchten, um die Menschheit zu unterjochen - denn wegen eben dieser Idee wurde er von seiner eigenen Regierung vor vielen Jahren menschenunwürdig verstoßen. Seine Experimente setzt er nun sporadisch mit allen Leuten fort, die ihm in stürmischen Nächten in die Falle gehen und von seinem Monster (einer riesigen Krake) oder Lobo gefangen werden. Als die Polizei darauf aufmerksam wird, wie viele Menschen in letzter Zeit rund um das alte Willow-Anwesen verschwinden und eine schnippische Reporterin (Loretta King) Monster-Geschichten in die Zeitung setzt, wird auch ein Wissenschaftler aus Vornoffs Heimat auf ihn aufmerksam. Dieser will ihn zurückholen, doch Vornoff hat andere Pläne und möchte seine Experimente nur für sich alleine fortsetzen.

Lobo... ratet mal, woher der Name stammt!
(Kleiner Tip: Schlagt mal im Medizinischen Fachlexikon nach!)

Über 'Bride of the Monster' gibt es vermutlich fast so viel zu sagen, wie über 'Bride of Frankenstein' und da ich nicht alles unnötig wiederholen möchte, kommen wir gleich zu den interessanten Punkten eines Wood-Films:

1) Cast: Die Besetzung ist zum Teil bereits aus anderen Ed Wood Vehikeln bekannt. Allen voran haben wir Bela Lugosi, der während der Dreharbeiten in keiner guten gesundheitlichen Verfassung war, aber gerade bei seinem berühmten "I have no home" Monolog um sein Leben spielt und als Mad Scientist überzeugen kann. Der schwedische Wrestler Tor Johnson überzeugt und macht als Lugosis Diener ebenfalls eine gute Figur. Er beherrscht sowohl die Mimik als auch die Akustik seiner Figur Lobo perfekt (weniger perfekt ist er, wenn er wie in 'Plan 9' dann auch noch Text bekommt). Gerade wenn er von Lugosi mit der Peitsche gezüchtigt wird oder sich am weichen Angora-Mützchen von Loretta King vergeht, sieht er richtig gequält aus. Des weiteren haben wir Paul Marco als 'Kelton the Cop', der unter anderem für humorvolle Szenen zuständig ist, die weniger sympathische Loretta King als leading lady und Tony McCoy, den ’eingeschleusten’ Sohn des Produzenten.

"PULL THE STRINGS!"
"Falscher Film, Bela."

2) Archiv-Material: Wie so oft verwendet Wood auch in 'Bride' einiges an irgendwo passendem Archiv-Material, dass er hier allerdings besser als je zuvor einbaut. Der Angriff eines Alligators, den man niemals zusammen mit dem Schauspieler sieht, ist gut geschnitten, nur die bombastische Explosion am Ende und die Schlange (die im Stock Footage lebhaft ist, aber im Film selbst nur als totes Halloween-Spielzeug im Baum hängt) sind etwas zu dick aufgetragen. Die Naturaufnahmen der Krake, welche zwischen die Attacken seines Schaumstoff-Alter Egos geschnitten werden, passen natürlich kein bisschen - aber mit etwas Fantasie ist der motorlose Gummi-Kalmar das bewegliche Tier aus den Unterwasserbildern.

3) Dialoge: Auch in diesem Punkt zählt 'Bride' sicher zu Eddies besten Arbeiten, auch wenn sie vergleichsweise unrealistisch daherkommen. Sie sind aber um einiges flotter und humorvoller als in vergleichbaren Filmen, die Zicken-Szene zwischen Loretta King und Woods (eigentlich für deren Rolle vorgesehener) Freundin Dolores Fuller mal außer Acht gelassen.

"What, me worry?"

Fazit: ’Bride of the Monster’ gehört zu den Höhepunkten in Mr. Woods Karriere als Regisseur und zählt noch dazu zu seinen spaßigsten Filmen. Das ganze funktioniert als ’Atom Age B-Movie’ ideal, wird nie langweilig und gefällt mir persönlich sogar besser als manch anderer Drive-In Film der Marke 'The Wasp Woman' oder 'Attack of the Giant Leeches'.


Spooner