D.N.A. - Experiment des Wahnsinns


‘The gates of hell are unlocked.’


Originaltitel: The Island of Dr. Moreau (1996) Regie: John Frankenheimer Drehbuch: Richard Stanley & Ron Hutchinson
Darsteller: David Thewlis, Marlon Brando, Val Kilmer FSK: 16


Nach einem Flugzeugabsturz landet Douglas (David Thewlis, ’Königreich der Himmel’) mit seinem knallgelben Gummiboot im Ozean und wird nach langer Fahrt vom Schiff des zwielichtigen Montgomery (Val Kilmer, ’Top Secret’) aufgelesen. Dieser bringt ihn nicht etwa zurück in die Zivilisation, sondern auf die einsame Insel des geheimnisvollen Dr. Moreau (Marlon Brando). Nach einigen Begegnungen der seltsamen Art, kommt Douglas bald hinter das finstere Geheimnis des Eilands: Dr. Moreau ist ein experimentierfreudiger Mad Scientist, der menschliche Gene in Tiere einplanzt, um eine perfekte Rasse (bar jedem Killerinstinkt) zu schaffen. Als sich die Biester jedoch schließlich gegen ihren ’Vater’ auflehnen, wird die Insel zur echten Hölle. Douglas ist gefangen inmitten von Wahnsinnigen und widernatürlichen Monstren…

Tja, wenn man Tieren das ’Tierisch Sein’ abgewöhnen will.

"Könnte ich womöglich
deinen Papa sprechen?"
Regisseur John Frankenheimer (der mit dem Öko-Schocker ’Die Prophezeiung’ schon einmal in ähnliches Territorium vorstieß) hat laut Kritikern in aller Welt mit seinem Remake der ’Dr. Moreau’ Saga angeblich eine der größten Gurken der 90er Jahre zusammen gezimmert, mit der im Nachhinein auch keiner der Beteiligten mehr etwas zu tun haben wollte. Und ich muss gestehn; es ist einfach in die gleiche Richtung zu rufen.
Das fängt schon bei 'Gesichts-Spreewaldgurke' David Thewlis an, den ich persönlich zwar für einen recht begabten Charakter-Darsteller halte, der hier mit der Hauptrolle aber völlig überfordert ist. Seine Darstellung der verlorenen Seele ist streckenweise belegt mit dem Verve von ’Jürgen, dem Steber vom Versicherungs-Büro, der sich im Freilauf-Gehege verlaufen hat’.
Co-Star Val Kilmer haut in eine ganz andere Kerbe. Sein sichtlich gelangweiltes Spiel erinnert mal an die Show eines schlecht dressierten Zirkus-Affen, dann wieder an Brad Pitts ’True Romance’ Performance. Von ’Mister Rivers, ’ne wahr?’ sind wir deutlich besseres gewohnt. Fairuza Balk (’Oz-Eine phantastische Welt’) fällt weder durch grobe Patzer, noch durch glänzende Leistung auf.

Kiffing Kilmer
Höhepunkt der Freak-Show ist und bleibt ’Papa Corleone’, Marlon Brando himself, der mit seinen kunterbunten Oma-Klamotten (als er den überdimensionalen Fingerhut auf der Omme hatte, ist mir die Pina-Colada aus dem Gesicht gefallen!), seinem grotesken kleinen Sidekick (der garantiert die Inspiration für ’Dr. Evils Mini-Me’ war) und seinem waberigen Gesäusel (“Möchtest du vielleicht einen Keks?“) dem Wort ’Lächerlichkeit’ eine neue Bedeutung aufdrückt. (Gerüchten zufolge hatte Brando, der sich keinen Text mehr merken konnte/wollte, während der Dreharbeiten einen Sender im Ohr, mit dem er auch Polizeifunk empfing, den er dann in die Szene plärrte!!!)
Wenigstens wurde mit Ron Perlman (’Am Anfang war das Feuer’) ein Make-Up erfahrener und erprobter Schauspieler unter die Maske einer der Kreaturen gesteckt.
Und hier kommen wir auch zur überzeugendsten Zutat dieses seltsam schmeckenden Breis: Den Masken. Das Make-Up ist wirklich gut gelungen. Vom Tiermenschen bis zu abartigen Widernatürlichkeiten ist alles vertreten und fachgerecht fabriziert. Die wenigen computer-generierten Kreaturen bleiben nicht lange genug auf dem Schirm, um negativ auffallen zu können.
Das eigentlich Problem der ganzen Sause ist, dass es keine Sause ist. Will sagen, warum so ernste Töne anschlagen, wenn das Teil eine astreine Monster-Komödie a la Alex Winters ’Freaks’ hätte sein können (eine solche scheint nämlich des öfteren unfreiwillig durch die Patina von Schwulst und Ernst hindurch! Zum Beispiel beim Auftritt der CGI-Killer-Ratten). Spätestens als im letzten Drittel alles aus den Fugen gerät, Songs von den ’Einstürzenden Neubauten’ gespielt werden und die ’Affocalypse’ ausgerufen wird, hätte irgendjemand merken müssen, dass hier etwas nicht mit rechten Dingen zu geht.

"Warum spiel ich hier nochmal mit?"

’D.N.A.’ ist ein seltsames Stück Freak-Show, dessen interessantes Thema und verworrene Ambitionen von fehlbesetzten Darstellern mal hochtrabend mal verwirrend und meist unbefriedigend vermittelt werden. An Unterhaltung mangelt es dem Streifen nicht. Fazit: Tierisch!

Hudson