Tokio, 1954... im Hauptsitz der Toho brütet Chef Tomoyuki Tanaka über einer Idee. Der Film "The Beast from 20.000 Fathoms" hat es ihm angetan und er will unbedingt etwas vergleichbares auf die Beine stellen. Zusammen mit dem FX-Designer Eiji Tsuburaya bastelt er weiter an der Idee. Zunächst ist eine Art Riesenoktopus geplant, da aber bereits Harryhausen ein ähnliches Projekt in Angriff genommen hat wird diese Idee direkt wieder ad acta gelegt. Ein Riesensaurier wird konzipiert, eine Art aufrecht gehender Raubsaurier mit monströs gezackten Rückenplatten die aufleuchten bevor er seinen atomaren Feueratem ausstößt. Was fehlt ist der Name. Inspiriert durch einen fülligen Kollegen ziert fortan die Wortschöpfung "Gojira" (Gorilla + Kujira=Wal) das Monster, und sein erster Filmauftritt in "Gojira" sollte großen Einfluss auf Nippon's Filmindustrie nehmen. Das Teil wird ein Box-Office-Hit...
Godzilla, so sein international verständlicherer Name, war so erfolgreich, dass er direkt eine Fortsetzung spendiert bekam... und das obwohl Gojira im ersten Film in seine Bestandteile aufgelöst wurde. Nach "Godzilla raids again" wurde es erstmal ruhig um das Monster. Erst 1962 durfte sich Godzilla wieder über die Leinwand prügeln, diesmal in Farbe, und außerdem konnte er sich mit DEM Filmmonster schlechthin die Hirse weichklopfen... King Kong (der das wohl unfassbarste Affenkostüm der Filmgeschichte "spendiert" bekam). Von da an gab's regelmäßig neuen Stoff mit Godzilla, der sich im Laufe seiner Karriere mit allerlei Monstern herumprügeln durfte. Der erste Gegner war Anguilas, eine Art Ankylosaurus meets Stachelschwein, dann folgte natürlich King Kong. Der/die dritte im Bunde war Mothra. Der nächste war King Ghidorah, für mich persönlich eins der schönsten und fiesesten Monster im Toho-Universum. Die späten 60er waren für die große Echse ein Umschwung, weg vom Bedrohungs-Dasein - hin zum Menschenfreund. Dieser Wechsel zeichnete sich auch schon in "Ghidorah - The threeheaded Monster" oder "Befehl aus dem Dunkel" ab. Mit der Abgabe des Regiestuhls an Hondas langjährigen Regieassistenten Jun Fukuda, schlug die Godzillareihe eine trashigere, buntere Richtung ein. Der erste in der Reihe war "Frankenstein und die Ungeheuer aus dem Meer" (so der großartige deutsche Verleihtitel). Mit "Godzilla gegen Megalon" oder "Frankensteins Höllenbrut" trieb's Fukuda auf die Spitze. Als quasi letzter Versuch, die Reihe zu retten wurde 1975 Ishiro Honda reaktiviert, um "Terror of Mechagodzilla" aus der Taufe zu heben, den direkten Nachfolger zu "Godzilla vs Mechagodzilla" aka "King Kong gegen Godzilla"... leider mit mäßigem Erfolg. Godzilla wurde daraufhin erstmal für knappe 10 Jahre "eingestampft". Vorbei die Zeit der Riesenmonster und Aliens aus dem Pferdekopfnebel... vorerst.
Die nächste Serie wurde 1984 initiiert, frei nach dem Motto, bigger, badder, meaner. Godzilla wurde wieder zur Bedrohung, wobei auch in dieser Reihe Godzilla meist das "kleinere" Übel darstellte. Nach 7 mal mehr, mal weniger erfolgreichen Filmen starb Godzilla 1996 im Kampf gegen Destoroyah, einem Monster, das aus dem Oxygen-Zerstörer entstand, der Waffe, mit welcher Godzilla in "Gojira" vernichtet wurde. So schloss sich der Kreislauf zunächst. Godzilla ging in die ewigen Monsterjagdgründe ein, jedoch nicht ohne seinen mittlerweile halbwüchsigen Sprössling zu hinterlassen.
1999 ging der Monsteronkel schon in die nächste Reihe. Diesmal mit drastisch verändertem, jedoch (mir zumindest) sehr gefälligem Outfit. War der erste Film der Reihe "Godzilla 2000 Millenium" noch mit reichlich Längen behaftet, ging es bei "Godzilla vs Megaguirus" um einiges zügiger und bunter zu. Rieseninsekten, die Menschen fressen, Tokio unter Wasser und eine Waffe, die ein Micro-Black-Hole schießen kann. Der nächste Beitrag "Godzilla, Mothra, King Ghidorah - All Monsters attack" von Shusuke Kaneko (Gamera, Pyrokinesis, Necronomicon) fällt ziemlich aus dem Rahmen, zeigt er doch einen ultrabösen Godzilla und erstmals King Ghidorah als gutes Monster. Ziemlich mystisch das Ganze, aber es gefällt doch sehr. Danach darf sich Godzilla noch zweimal mit Mechagodzilla den ein oder anderen Schlagabtausch liefern bevor schließlich 2004 Ryuhei Kitamura (Versus) Godzilla in die letzte Runde schickte: “Final Wars“ hieß das Resultat und bildet vorerst den Abschluss der Godzilla-Saga.
Somit wäre der große Grüne wohl erstmal arbeitslos, genug Zeit, um mal auszuspannen, das Abi nachzuholen oder zu studieren.
Goatscythe