Zu unserem Jubiläum haben wir uns einen ganz besonderen Leckerbissen unter den allseits beliebten Mitarbeitern des Monats ausgesucht. Einen Mann, der von Martin Scorsese, Walter Hill, Ingmar Bergmann & Quentin Tarantino bis hin zu Anthony Hickox, Fred Olen Ray, Larry Cohen & Cirio H. Santiago mit filmischen Größen aller Art gearbeitet hat und leider erst vor wenigen Monaten aus dem Leben geschieden ist.
Der legendäre David Carradine wurde im Dezember 1939 als erster Sohn des legendären John Carradine (dem folgten noch einige andere dufte, aber nicht ganz so legendäre Söhne) in Hollywood geboren. Als Sohn eines John Carradine scheint einem schauspielerisches Können praktisch in die Wiege gelegt zu sein und als David auf dem College Musik studierte und dabei mit der musikalischen Untermalung eines Theaterstücks beauftragt wurde, entdeckte auch er seine Leidenschaft für die Bühne.
Seine ersten Schritte als Schauspieler, nachdem er bereits bei der Armee war, als Künstler gearbeitet und als Laborant mit Drogen experimentiert hatte, fanden ebenfalls am Theater statt. Mit den erfolgreichen Broadway Stücken ‘The Deputy’ und ‘The Royal Hunt for the Sun’ in den frühen 60er Jahren hatte ihn endgültig das Schauspiel-Fieber gepackt und er beschloss, nach Hollywood zurück zu kehren, um sich in Film & Fernsehen zu versuchen. Nachdem er in den Jahren von 1963 bis 65 einige Auftritte in TV Shows wie ‘Wagon Train’, ‘East Side / West Side’, ‘Armstrong Circle Theatre’ oder ‘The Virginian’ hatte, die aber nie länger als eine Episode dauerten, folgte 1966 die erste Hauptrolle als Titelheld der Western Serie ‘Shane’, die zwar nur 16 Folgen umfasste, ihm aber weitere Filmrollen in den folgenden Jahren einbringen sollte.
Fünf Jahre später folgte der Durchbruch mit Martin Scorseses Spielfilm-Debut ‘Die Faust der Rebellen’ (Boxcar Bertha), in dem David als Big Bill Shelly einen liebenswerten Outlaw und den Liebhaber der Hauptdarstellerin spielte (unter anderem in einer angeblich ‘nicht gespielten’ Sex-Szene). Der eigentliche Kracher seiner Kariere folgte wenig später im gleichen Jahr, als er an Stelle von Bruce Lee die Rolle des Kwai Chang Caine in der Erfolgs-Serie ‘Kung Fu’ übernahm. Obwohl die Serie nur drei Jahre lief, gilt sie als Klassiker und Meilenstein in Carradines Laufbahn - gleich im ersten Jahr erhielt er einen Emmy als Bester Darsteller. In den ‘Kung Fu’- Jahren spielte David zwar in einem Film mit, aber da es sich dabei um Scorseses nächsten Klassiker ‘Hexenkessel’ (Mean Streets) aus dem Jahre ‘73 handelte, in dem er bei einer Kneipenschießerei sein Leben lassen muss, verdient der Film eine Erwähnung.
Die Zeit von ‘Kung Fu’ endete, als Carradine seine Filmkariere weiter verfolgen wollte und es ist keine große Überraschung, dass ihn sein Weg dabei bald zum (legendären) Produzenten Roger Corman führte, für den er die Hauptrollen in Paul Bartels Kult-Filmen ‘Frankensteins Todesrennen’ (Death Race 2000) und ‘Cannonball!’ übernahm, die bis heute zu seinen beliebtesten Figuren zählen und ihm erneut die Chance geboten haben, sich als knallharter Kämpfer mit Schlag bei den Frauen zu beweisen. Nachdem er ‘77 bereits von Regie-Legende Ingmar Bergman in ‘Das Schlangenei’ besetzt wurde, folgte 1978 mit ‘Circle of Iron’ (einem philosophischem Barbaren Epos mit Christopher Lee, Eli Wallach und Roddy McDowall) ein weiterer eigentlich von und für Bruce Lee konzipierter Part. Die Besonderheit hier ist, dass er in diesem Film in gleich mehreren verschiedenen wichtigen Rollen auftritt - am absurdesten ist dabei wohl die, als kämpfender Affe in einer Höhle. Carradines Erfolg hielt an, als ihn zwei Jahre später mit Walter Hill ein weiterer großer Regisseur zusammen mit seinen (Halb-)Brüdern Robert (Massaker in Klasse 13, Cannonball!) und Keith (Wild Bill, Deadwood) in seinem Western ‘The Long Riders’ besetzte.
David Carradines filmisches Schaffen in den folgenden Jahren wiederzugeben würde Bücher füllen. Allein in den 80ern hat er mit dem Kult-Horror ‘American Monster’, dem Chuck Norris Klassiker ‘McQuade - Der Wolf’, einer Verfilmung der ‘Kung Fu’ Serie, unzähligen B-Filmen (darunter dem Cormanschen Fantasyschmarrn ‘Der Zauberer und die Hexe’ und Fred Olen Rays Meisterwerk ‘Die Vergelter’, in dem er den Sohn eines alternden Lee Van Cleef spielt!), vor allem aber seiner Rolle als fiesem Südstaatler Justin LaMotte in der Bürgerkriegs-Miniserie ‘Fackeln im Sturm’ eine größere Vielfalt bei der Rollenauswahl an den Tag gelegt, als manch anderer Schauspieler es in seiner ganzen Kariere schafft.
Zwar war Carradine auch in den folgenden Jahrzehnten weiterhin in unzähligen Kultfilmen vertreten, doch durch ein Alkoholproblem, gescheiterte Ehen und privaten Stress wurde die Auswahl seiner Filme weniger speziell als zuvor. Hervorzuheben wären allerdings seine Rolle als vampirischer Gegenspieler von Bruce Campbell in Anthony Hickox’s ‘Sundown: Rückzug der Vampire’ (später hatte er auch einen Cameo in Hickox’s ‘Waxwork 2'), eine Rolle im Paul-Brüder Murks ‘Double Trouble’ und eine, Zitat Hudson: “peinliche Nebenrolle” im Sexy Spukhaus Flick ‘Evil Toons’, die so albern ist, dass man sich einfach darüber freuen muss. Auch eine Rückkehr zum TV-Format mit der neuen Serie ‘Kung Fu: The Legend Continues’ von 1993 bis 1997 konnte ihm leider nicht zum vorherigen Ruhm zurück verhelfen.
Erst als er im Jahre 2003 von Quentin Tarantino als titelgebender ‘Bill’ in ‘Kill Bill Vol. 1' besetzt wurde, war Carradine wieder voll da und bezeichnete die Rolle sogar als die beste seiner gesamten Laufbahn. Gerade in ‘Kill Bill Vol. 2' hat David zweifelsohne eine seiner besten und bedeutendsten Leistungen geboten, die neben all den anderen Klassikern ein filmisches Vermächtnis für ihn darstellt, um das sich andere reißen würden. Seine Darstellung von Bill in der letzten Hälfte von ‘Vol 2' ist so charismatisch, bedächtig, überzeugend und passend, dass man fast sagen könnte: Wenn du einen Film mit David Carradine sehen solltest, dann diesen. Nach den ’Kill Bill’ Filmen wurde ihm wieder eine große Wertschätzung für sein Können zu Teil.
Als David Carradine im Juni 2009 überraschend mit 72 Jahren in Thailand verstarb, wo er gerade an einem Film namens ‘Stretch’ arbeitete, waren viele Menschen zu Recht geschockt. Aber wenn man seinem Freund Quentin Tarantino glauben will, hat der Mann ein erfülltes Leben geführt. Er hatte eine glückliche Familie, hat in Hunderten von Filmen mitgespielt, hatte aufregendere Hobbys als die wildesten seiner Filmfiguren und hat nie etwas anbrennen lassen. Seine Filme bleiben uns erhalten und seine Philosophie zur Schauspielerei ‘Wenn du nicht der Dichter sein kannst, dann sei eben das Gedicht’ ist nicht vergessen.
Spooner
Und weil's so schön war, hier nochmal ein Countdown seiner 10 besten Rollen:
Honorable Silly Mention: Ein Königreich vor unserer Zeit/Der Krieger und die Hexe
Nicht unbedingt eine filmische Glanzstunde irgendeiner Art, jedoch zeigt sich DC hier als ’Finsterer’ von seiner amüsant, käsigen Seite, mit gigantischem Pappschwert im Arm, geschwillter Heldenbrust und in gekonnt vergeigten Posen. Auch an solche Filme erinnern wir uns gerne zurück!
10. Long Riders
Als selbstgefälliger Outlaw, Lebemann und Familienoberhaupt der Younger Bros. (an der Seite seiner Brüder Keith und Robert, sowie der Quaid-, Guest- und Keach-Brüder) ballert sich DC in Walter Hills Bürgerkriegs-Western von einer brenzligen Situation in die nächste.
9. Sundown - Rückzug der Vampire
DC spiel den süffisant-charmanten Graf Mardulak, einen Vampirfürsten der seine Blutsauger Kommune in einem Wüstankaff das Vegetarier-Dasein lehrt. Dass Mardulak tatsächlich Graf Dracula ist und ein Nachkomme von Van Helsing in Form von Bruce Campbell bald auftaucht, überrascht hier sicher niemanden…
8. American Monster
An der Seite von Richard ’Shaft’ Roundtree und Michael ’The Stuff’ Moriarty witzelt sich DC in Larry Cohens ’Q – The Winged Serpent’ als sprücheklopfender Bulle durch einen der besten Monstermovies der frühen Achtziger.
7. Das Geheimnis des blinden Meisters
Nicht eine, nicht zwei, nicht drei, nein, ganze VIER Rollen übernahm DC in diesem eigentlich von und für Bruce Lee konzipierten esoterischen Schinken und überzeugt sowohl als blinder Flötenspieler, als Affengötze, als Barbarenfürst und als DER TOD.
6. Frankensteins Todesrennen
Als Frankenstein (übrigens ein sehr guter Freund von mir), dem besten Fahrer des interkontinentalen Todesrennen, rast DC sich, Sly Stallone, Martin Kove und Mary Woronov um Kopf und Kragen, deckt eine Verschwörung auf, rettet die Zukunft und kriegt das Mädchen. Kult pur. Jason Stathham aint got shit on him.
5. Dies ist mein Land
Nicht gerade ein Flausen-Eintrag, aber DC beschränkte sich eben nicht nur auf Genre-Filme, sondern war auch in anspruchsvollen Rollen zu Hause. Seine eindringliche biographische Performance als Folksinger Woodie Guthrie ist ein Kritiker-Liebling und sollte unbedingt auch von seinen Genre-Fans begutachtet werden.
4. Satanic - Ausgeburt des Wahnsinns
Ein verrückter Film mit einem gandiosen DC in Drags. Ganz recht, Carradine spielt hier als Transe mit Lippenstift, Langhaarperücke und Ludergarderobe die fürsorgliche Mutter eines „Findelkindes“, das von brutalen Rednecks zum Killer herangezüchtet wird und damit alle an die Wand.
3. Fackeln im Sturm
Aaaah, Justin LaMotte. Du warst einer der besten, weil widerlichsten TV-Schurken der 80er. Was haben dich unsere Mütter und Schwestern gehasst und was haben wir fiesen kleinen Kerle gehässig gegrinst, als du Patrick Swayze Lesley-Anne Down gegen ihren Willen ausgespannt hast. Pure Evil Villain Gold!
2. Kung Fu
Kwai Chang Caine ist der Inbegriff des unermüdlichen, aber von innerer Ruhe getriebenen Wanderers. Caine war es, der uns vor allen anderen zeigte, dass auch graduierte Shaolin Kung Fu Asskicker die Gewalt verabscheuen und immer eine friedliche Lösung anstreben. Er lief durch die Wüste, half Menschen in Not mit Kräuterkunde, Philosophie und seiner Flöte. Naja, und wenn ihm mal einer doof kam und nicht auf schlichtende Worte hören wollte, dann wurde der Penner mit Tiger/Drache/Schlange/Gottesanbeterin/Adlerklaue/Kung Fu außer Gefecht gesetzt. Recht so!
1. Kill Bill
Bill? Ganz einfach.
Siehe rechts.
Hudson
Eine kleiner Ausszug aus David Carradines glorreicher Karriere:
Road of No Return (2009)
Autumn of the Living Dead (2009)
Crank 2 - High Voltage (2009)
Kung Fu Killer (2008)
Hell Ride (2008)
Richard III (2008)
Blizhniy Boy: The Ultimate Fighter (2007)
Fantastic Movie (2007)
Max Havoc - Der Fluch des Drachen (2004)
Dead & Breakfast - Hotel Zombie (2004)
Kill Bill: Vol. 2 (2004)
Kill Bill: Vol. 1 (2003)
Alias - Die Agentin (TV) (2001)
Monster Hunter - Natürliche Auslese, The (2000)
Kinder des Zorns 5 - Feld des Terrors (1998)
Kill Zone (1993)
Kung Fu - Im Zeichen des Drachen (1992)
Spaceshift - Waxwork 2 (1992)
Karate Cop (1991)
Kickbox Terminator (1991)
Highway Chaoten (1990)
Dune Warriors - Blut für Wasser (1990)
Future Zone (1990)
Future Force (1990)
Evil Toons (1990)
Vogel auf dem Drahtseil, Ein (1990)
Martial Law (1990)
Sundown - Der Rückzug der Vampire (1989)
Satanic - Ausgeburt des Wahnsinns (1989)
Königreich vor unserer Zeit, Ein (1988)
War Lords - Die Zerstörer der Zukunft (1988)
Kung Fu - Die Rückkehr (1986)
Fackeln im Sturm II (TV) (1986)
Vergelter, Die (1986)
Saat des Bösen, Die (1985)
Fackeln im Sturm (TV) (1985)
Krieger und die Hexe, Der (1984)
McQuade - Der Wolf (1983)
Safari 3000 - Die Afrika Rallye (1982)
American Monster (1982)
Long Riders (1980)
Deathsport aka DeathRace 2 aka Giganten mit stählernen Fäusten (1978)
Geheimnis des blinden Meisters, Das (1978)
U-Boot in Not (1978)
Schlangenei, Das (1977)
Cannonball (1976)
PR: Frankensteins Todesrennen (1975)
Hexenkessel (1973)
Faust der Rebellen, Die (1972)
Kung Fu - Der Film (1972)
Gnadenlose Rächer, Der (1969)
Shane (TV) (1966)
Taggart (1965)
Rauchende Colts (TV) (1955)
Armstrong Circle Theatre (TV-Serie) (1950)
Mitarbeiter des Monats 10/09: Romano Puppo
Mitarbeiter des Monats 09/09: Bruno Mattei
Mitarbeiter des Monats 08/09: Mike Monty
Mitarbeiter des Monats 07/09: Fred Williamson
Mitarbeiter des Monats 06/09: Paul L. Smith
Mitarbeiter des Monats 05/09: Al Adamson
Mitarbeiter des Monats 04/09: Martin Kove
Mitarbeiter des Monats 03/09: Charles Napier
Mitarbeiter des Monats 02/09: Albert Pyun
Mitarbeiter des Monats 01/09: George Eastman
Mitarbeiterin des Monats 12/08: Meg Foster
Mitarbeiter des Monats 11/08: Antonio Margheriti
Mitarbeiter des Monats 10/08: Richard Moll
Mitarbeiter des Monats 09/08: (H)al Yamanouchi
Mitarbeiterin des Monats 08/08: Linnea Quigley
Mitarbeiter des Monats 07/08: Ed Wood
Mitarbeiter des Monats 06/08: Sid Haig
Mitarbeiter des Monats 05/08: Jean-Claude Van Damme
Mitarbeiter des Monats 04/08: James Hong
Mitarbeiter des Monats 03/08: Miles O'Keeffe
Mitarbeiter des Monats 02/08: Reb Brown
Mitarbeiter des Monats 01/08: Godzilla
Mitarbeiter des Monats 12/07: Tim Thomserson
Mitarbeiterin des Monats 11/07: Linda Blair
Mitarbeiter des Monats 10/07: Clint Howard
Mitarbeiter des Monats 09/07: Bolo Yeung
Mitarbeiter des Monats 08/07: Cameron Mitchell
Mitarbeiter des Monats 07/07: William Smith
Mitarbeiterin des Monats 06/07: Sandahl Bergman
Mitarbeiter des Monats 05/07: Brion James
Mitarbeiterin des Monats 04/07: Sybil Danning
Mitarbeiter des Monats 03/07: Dick Miller
Mitarbeiter des Monats 02/07: Michael Berryman
Mitarbeiter des Monats 01/07: Robert Z'Dar
Mitarbeiter des Monats 12/06: Fred Olen Ray
Mitarbeiter des Monats 11/06: Sven Ole Thorsen