William Brent Girdler wurde am 22 Oktober 1947 in Jefferson County, Kentucky, USA geboren. Schon mit Anfang zwanzig startete er seine eigene Produktionsgesellschaft ’Studio I Associates’ und drehte Filme in seiner Heimatstadt Louisville mit Hilfe von Freunden und Bekannten. Hier entstand auch sein Filmdebüt, das groteske Horrorspektakel ’Asylum of Satan’, welchem Girdler unverzüglich den blutrünstigen Slasher ’Three on a Meathook’ folgen ließ.
Die Filme brachten ihrem Macher zur damaligen Zeit zwar weder große Anerkennung, noch enormen Erfolg, jedoch wurde B-Movie-Mogul Samuel Z. Arkoff auf den jungen Regisseur aufmerksam und heuerte ihn an, um eine Reihe von Exploitation-Streifen unter dem Banner der Produktionsfirma ’American International Pictures’ anzufertigen.
Den Beginn machte ’The Zebra Killer’, in dem Blaxploitation-Star Austin Stoker (’Horror High’) einen wahnsinnigen Serienkiller jagte. Stoker war (neben ’Blacula’-Star William Marshall) ebenfalls in Girdlers nächstem Film, dem reichlich bizarren ’Exorzist-RipOff ’Abby’ zugegen, der seinen Machern prompt eine Klage von Seiten der ’Warner Bros’ einhandelte, die tatsächlich erwirkte, dass der bis dahin sehr erfolgreiche Streifen aus den Kinos verbannt wurde.
Girdler war darüber reichlich verärgert und kommentierte den Vergleich zwischen den beiden Filmen später wie folgt “Jeder könnte einen guten Film für die Summe von 20 Millionen Dollar machen, wie sie für ’Der Exorzist’ zur Verfügung stand. In Anbetracht unseres Budgets ist ’Abby’ verhältnismäßig gesehen vielleicht sogar ein besserer Film als ’Der Exorzist’.“
Was auch immer man von diesem selbstgefälligen Statement hält, kann man dem Hitchcock-Fan (der stets behauptete, er sei “… im Geschäft, um Geld zu machen, nicht um Botschaften in die Welt zu posaunen…“) die Leidenschaft fürs Filmemachen und den Willen, das Publikum zu unterhalten nicht absprechen.
Der letzte Film, den er für die ’AIP’ drehte, war der Blaxploitation-Hauer ’Sheba, Baby’ (wieder mit Austin Stoker) in dem Szene-Star Pam Grier eine weitere Version ihres ’Tough Black Chicks’ aus ’Coffy’ und ’Foxy Brown’ verkörperte. Mit den beiden Klassikern von Jack Hill konnte ’Sheba, Baby’ zwar nicht mithalten, aber klingelnde Kinokassen bestätigten Girdlers Methoden.
Die wunderbar schräge Welt des William G.
Sein erfolgreichster Film war ’Grizzly’ von 1976, ein reißerisches Tierhorror-Abenteuer im blutigen Fahrwasser des ’Weißen Hai’. Statt des Fisches gab es hier einen Bären, der anstelle von Badegästen Parkbesucher aus den Wanderschuhen prankte und von einem Ragtag-Team (u.a. Christopher George & Richard Jaeckel) gejagt wurde. Zum Ärger für Girdler, beteiligten die Produzenten ihn und seine kreativen Mitstreiter nicht an den 39 Millionen Dollar schweren Einnahmen des Filmes.
Nach dem darauffolgenden Gerichtsstreit machte sich der Regisseur an einen weiteren Tierhorror-Schocker, den amüsanten ’Panik in der Sierra Nova’, in welchem allerlei Viehzeug mit gesteigertem Aggressionspotential diverse Wandersleut attackierte. In den Hauptrollen waren erneut Christopher George und Richard Jaeckel zu sehen, diesmal an der Seite eines ungewöhnlich finster agierenden Leslie Nielsen, mit dem Girdler ein Jahr zuvor schon den Polit-Actioner ’Project: Kill’ gedreht hatte.
Girdlers letzter Film sollte der unglaubliche ’Manitou’ (aka ’Lastersturm’ aka ’Superzombie’) sein. ’Der Manitou’ basierte auf dem gleichnamigen Bestseller von Graham Masterton, von dem Girdler die Rechte unverzüglich erwarb und sich ebenso zügig an die Arbeit machte.
Mit Tony Curtis, Susan Strasberg und Bugess Meredith vor der Kamera, gelang dem Regisseur erneut ein beachtlicher Kassenerfolg, was in Anbetracht der grotesken Story (ein Fötus der im Tumor auf dem Rücken einer jungen Frau wächst, gedeiht zu einem indianischen Rachegeist) ein kleines Wunder ist.
Wir können nur ahnen, welch wundersame Welten uns Girdler noch beschert hätte, wäre es am 21. Januar 1978 nicht zu einem folgenschweren Unfall gekommen. Beim Location Scouting in Manila für sein kommendes Projekt ’The Overlords’ geriet sein Helikopter in eine Stromleitung und stürzte ab. William Girdler, Regisseur, Autor, Produzent und Komponist starb im Alter von dreißig Jahren und hinterließ der Welt eine zu gleichen Teilen abwechslungsreiche, derivative, absurde und letztlich unvollständige Filmografie.
Hudson