Nackt unter Kannibalen


‘That Emanuelle girl is back more EROTIC & EXOTIC than ever’


Originaltitel: Emanuelle e gli ultimi cannibali (19787) Regie: Joe D'Amato
Drehbuch: Joe D'Amato & Romano Scandariato
Darsteller: Laura Gemser, Gabriele Tinti, Nieves Navarro FSK: 18


Rated R for Rrrrrrrr!

"It's useless to go on. By now, Sister Angela will have been well digested by those cannibals."

Bangkok, Afrika und Amerika, Kloster, Frauenknast und Liebescamp, Zombies, Söldner, Barbaren und Kannibalen - ja sogar Bud Spencer & Terence Hill. Ich weiß nicht, wer das aufregendere Leben hatte - Laura Gemser oder ihr Alter-Ego ,Black Emmanuelle'.

DAS hat Ace Frehely also nach
'Love Gun' gemacht...
Letztere - also die feiste Journalistin Emmanuelle - unternimmt in diesem Film, mit dem geschmackvollen deutschen Titel ,Nackt unter Kannibalen' (nicht zu verwechseln mit ,Nackt unter Wilden' und ,Jungfrau unter Kannibalen' von Kollege Franco) eine Reise an den Amazonas, um einem Fall von Kannibalismus in einer New Yorker Irrenanstalt auf den Grund zu gehen.
In besagter Anstalt beginnt der Film, als sich Emmanuelle dort für eine Story unter der Aufsicht von Dr. Joe C'ameomato (Eh? Eh?) als Patientin ausgibt. Ihre Abenteuerlust steigt offenbar, als sie dort mit ansehen muss, wie einer Krankenschwester die Brust abgebissen wird. Wenn ihr meint MEINE Beschreibung dieser Szene klingt plump, wartet ab bis der Film sie euch selbst beschreibt: "She bit a chunk out of the nurse's breast and ate it. Just like a cannibal. Fantastic!"... Diese Szene setzt übrigens bereits in den ersten 2 Minuten ein gutes Segel für die Stimmung des restlichen Films.

Lauras Reaktion auf das Skript von
'Emanuelle in America'
Als Emmanuelle anschließend ihrem Redakteur die Geschichte erzählt, will dieser sie mit Kannibalismus-Experten Prof. Mark Lester (Moment, der Regisseur vom ,Phantom-Kommando'?? Ach nein, bloß Gemsers damaliger Ehemann Gabriele Tinti) zusammenbringen, um ... aber wieso soll ICH Euch die Story beschreiben, wenn die wundervollen Expositions-Dialoge diesen Job doch für mich machen können:
"You know, darling, I was terribly worried about you when you did that inquiry into that horrible lunatic asylum. Thank god it's all over, so we can go away together."
"No Peter, we can't. Tomorrow I'm leaving for the Amazon. For work. Something... very, very interesting. It's about cannibals."
"Emmanuelle, you're crazy. You're really, really crazy."
"Maybe I am. But right now, I want to make love."

D'amato kann's nicht lassen!
Damit dürfte der Ton des Films dann endgültig klar geworden sein und die Reise in Richtung Amazonas kann beginnen. Dort angekommen, begeben sich Emmanuelle und Mark in die Obhut von Donald McKenzie (Donald O'Brien) und seiner Frau Maggi. (Augenblick mal - Donald "Dr. Butcher M.D." O'Brien als Dschungel-Einsiedler? Kannibalismus in einem New Yorker Krankenhaus? Dieser Film ist die Blaupause für ,Zombi Holocaust'!). Es dürfte niemanden wirklich überraschen, dass O'Brien in Wirklichkeit andere Ziele verfolgt, und die Gruppe letzten Endes einem wütenden Kannibalen-Stamm auf den Leim geht. Man kennt das.

,Nackt unter Kannibalen', international besser bekannt als ,(Black) Emmanuelle and the Last Cannibals'- was übrigens auch ein super Name für eine Rockband wäre! - zählt zu den berüchtigteren Filmen von Exploitation-Ikone Joe D'Amato (,Sado - Stoß das Tor zur Hölle auf'), der nicht unbedingt für seinen guten Geschmack und taktvollen Liebesgeschichten bekannt war. D'Amatos Trademarks waren Sex und Gewalt - und das nicht gerade zimperlich. Und wie bereits im ,Porno Holocaust'-Review angedeutet, auch gerne mal im gleichen Film, wofür ,Nackt unter Kannibalen' ein Vorreiter war. Auch in diesem, von Fabrizio De Angelis (,Giant Killer') mit produzierten, Kannibalen-Schocker finden sich Sleaze und Gore in rauen Mengen wieder. Übrigens noch ganze 3 Jahre bevor 1980 die Kannibalen-Welle erst richtig entbrannt ist.

Die einzige Gore-Szene, die ich hier zeigen darf
(Anm. des Chefs: Yeah, no. I don't think so, man. You see,
kids could come here... to jerk off to some Laura pics and be
seriously disturbed by that! So basically: Censored, bitch!)
Obwohl ,Emanuelle and the Last Cannibals' ein ziemlich unterhaltsamer Film ist, gehört er bei weitem nicht zu den besten Beiträgen dieses dubiosen Subgenres, und mit Sicherheit nicht zu den subtileren. Der Film ist genau genommen strunz dämlich, dadurch allerdings umso genießbarer für Freunde des schäbbigen Horrorfilms.
Ein Höhepunkt in Sachen unfreiwilliger Humor sind auf jeden Fall die Dialoge, die in der englischen Synchro scheinbar den ,William Shatner Rules of Acting' folgen und ständig seltsame Pausen, zwischen, den, einzelnen Wörtern... machen. So zum Beispiel wenn Dr. Butcher und Black Emmanuelle sich unterhalten:
"What are you doing here in the jungle?"
"Hunting. Hunting is my life. I've sacrificed a lot to follow my craving ... for hunting. You'll never understand what my feelings are, when I'm on the track of an animal; the satisfaction of trapping it... and to kill!"
Auch D'Amatos Wurzeln im Pornobereich lassen sich bei Sätzen wie "But if you want to know more about it, we should go to my house." nur schwer vertuschen.

That awkward moment when Big Jim Slade fucks your wife.

Was die darstellerischen Leistungen, abgesehen der ulkigen Line Delivery, angeht, kann man für einen Film dieses Kalibers wohl nicht klagen. Ich bin ein Fan von Laura Gemser, auch wenn ich gerne zugebe, dass sie nicht unbedingt die beste Schauspielerin unter der Sonne (oder unter Kannibalen) ist. Aber wenn man bei Laura auf eines zählen kann, dass sie eine spaßige Performance abliefert (und sich auszieht.) Gabriele Tinti spielt wie so oft Lauras Liebhaber, was seiner Zeit ja nicht weit von der Realität entfernt war, und gibt seine blasse Figur absolut solide zum Besten. Auch Donald O'Brien ist wie immer unterhaltsam anzusehen, wenn er als Peeping Tom verschiedene Sex-Szenen erspäht und seine seltsame Obsession zum Jagen beschreibt ("I came here to hunt. And if my game happens to be a human being... I don't mind."). Trotzdem finde ich es ein wenig schade, dass er diesmal niemanden die Stimmbänder durchtrennen darf. Wie sonst soll er sich nun auf seine Arbeit konzentrieren??
Laut IMDB ist auch Hal Yamanouchi in einer Nebenrolle dabei, aber ehrlich gesagt, habe ich ihn nicht gefunden. Nicht entgangen ist mir allerdings der Gastauftritt von Ronny dem Affen, aus der beliebten Hit-Reihe ,Ronny's Pop Show'!

Special appearence by Ronny der Affe!

Um ein wenig über den hohen Sleaze-Faktor des Films zu sprechen: ich war überrascht, dass Laura Gemser erst nach 15 Minuten zum ersten Mal nackt auftritt. Als Entschädigung hat sie dann aber quasi auch direkt zwei Sex-Szenen hintereinander. Auch scheint es ein fester Punkt in ihren Verträgen zu sein, dass sie in jedem Film eine Szene braucht, in der Laura nackt in einem Fluss steht und sich (und wahlweise eine andere Frau) wäscht. Ich hab nichts dagegen.

Ich bin mir ziemlich sicher, dass
ihre Angst nicht gespielt ist
Insgesamt mangelt es ,Nackt unter Kannibalen' nicht an Nacktheit. In diesem Fall ist der Titel Programm. Es wimmelt nur so von 70's Büschen, Brüsten und knackigen Muskel-Negern. (Darf man das so sagen?)
Weitere Sleaze-Highlights umfassen Emmanuelles "Befragung" der kannibalischen Patientin im Krankenhaus, die darin besteht in ihrem Busch herumzufingern (im ersten Moment fiel es mir schwer zu sagen, ob es sich um einen Busch oder einfache Unterwäsche handelt... hach ja, die 70er!), gelegentlichen Softcoreszenen, Stammes-Rape und Sex mit Big Jim Slade aus ,Kentucky Fried Movie'.
Am Ende macht Laura sogar einen auf nackte große Flussgöttin, um die Kannibalen auszutricksen. Dummerweise wissen wir aber alle spätestens seit ,Fluss der Mörderkrokodile', dass es die gar nicht gibt.
Was die teils deftigen Gore-Einlagen betrifft, bleibt D'Amato typisch kein Geschlechtsteil sicher. Ich will nicht zu sehr ins Detail gehen, aber wer einen dieser Filme gesehen hat, weiß wovon ich spreche.

Well... Still better than CGI...
Apropos, eine Würgeschlange greift in einer Szene ebenfalls an- und da dieser Film gemacht wurde, bevor D'Amato für ,Ator - Der Unbesiegbare' eine Gummischlange gebraucht hat, bin ich ziemlich sicher, dass Laura Gemser mit einer echten Schlange kämpfen musste. Die Kannibalen selbst machen nicht besonders viel her, sehen diesmal allerdings zumindest dunkelhäutiger aus, als ihre mit Lehm bekleckerten Kollegen aus den Lenzi- und Deodato-Filmen. Dass das Make Up des Häuptlings an ein Mitglied von KISS erinnert, war den Machern von ,Zombi Holocaust' wohl ebenfalls noch im Gedächtnis.
Lustig ist, dass man den Kannibalen die altbekannte Jason-Vorhees-Point-of-View-Kamera im Gebüsch gegeben hat.

Im Vorspann, bei einem heißen Disco-Track, möchte uns der Film tatsächlich verkaufen, dass er auf einer wahren Geschichte basiert. Ich schätze fast, dass es die Art von ,True Story' ist, auf der auch ,Amazonia - The Catherine Miles Story' basiert - nämlich eine, die von den Machern erfunden wurde. Ähnlich aufrichtig ist Emmanuelles trauriger Epilog am Ende des Films, der dann aber schnell von den End Credits mit fröhlicher Disco-Musik unterbrochen wird, bevor die Zuschauer das Kino mit zu schlechter Stimmung verlassen müssen.

Nackt unter Kannibalen, huh!

,Emmanuelle y los ultimos cannibales' ist Welten davon entfernt, ein "guter Film" zu sein. Dennoch ist er ein anständiger Black Emmanuelle-, ein sehenswerter Joe D'Amato- und ein unfreiwillig unterhaltsamer Kannibalenfilm, und sei damit allen empfohlen, die in einer dieser Sparten noch Nachholbedarf haben.


Spooner