The Suckling


‘Seine Attacken sind tödlich!’


Originaltitel: The Suckling (1990) Regie & Drehbuch: Francis Teri
Darsteller: Frank Rivera, Marie Michaels, Gerald Preger FSK: 18


Shock Value!

Hei-ei-eikles Thema: Abtreibungs-Horror. Aber bevor jetzt die eine Hälfte flieht und die andere in Andacht innehält, bedenkt: Wir sind hier immer noch bei FilmFlausen und da gehört ’The Suckling’ hin, wie Belial ins Körbchen.

Das wird schon klar, als uns die nun folgende Geschichte im vergleichbar dösigen Voice Over des Prologs vor die Füße geeimert wird, mit der Bemerkung, dass die letzte Überlebende des Debakels aufgrund ihrer Schilderung der durch und durch absurden Geschehnisse in die Klapsmühle gesteckt wurde. Zurecht!
Ich werde mich also hüten, dem finalen Satz dieses Voice Overs, “…die Macher dieses Films glauben es [dass die Geschichte stimmt].“ irgendwelche Bedeutung beizumessen, bevor ich selbst noch in einer Spezialjacke ende.

Oh ye, of artsy scares: Creepy doll, a mirror and what looks like an axe nurse.

’The Suckling’ (das sich ins Deutsche tatsächlich als “Der Säugling“ übersetzt) steigt nach der Text-Warnung gleich im oberen Trash-Spektrum ein und kredenzt uns alptraumhafte Szenen, die weniger zum Fürchten, als zum Flüchten sind: Eine nächtliche Entführung in Anwesenheit einer gruseligen Puppe, eine barbusige Krankenschwester mit Axt, ein Kehlenschnitt vor dem Schminkspiegel… was ist hier los? Man weiß es nicht. Egal, ab zu Haupthandlung!

Es ist ein launiger Nachmittag im US-amerikanischen Hinterholz von Bumfuck County, die Sonne scheint, die Vögel zwitschern und ein junges Paar ist auf dem Weg in die lokale Hinterhof-Abtreibungsklinik, die den Örtlichen auch als Puff dient. Yikes!
Hier residieren Big Mama (Puffmutter und Abtreibungsspezialistin) und ihre Mädel (Candy, Mandy, Brandy und Chantal, deren Namen möglicherweise von der Redaktion nicht korrekt wiedergegeben wurden, Candy stimmt aber!), sowie der stämmige Türsteher Jackson und Aggro-Assel Axel, kurz gesagt: Echte Prachtexemplare hinterwäldlerischer Sozialisierung, die den lieben langen Tag mit Besorgungen wie den folgenden beschäftigt sind:

Was ja auch nicht verkehrt ist!

Allerdings ist da immer noch der andere Elefant im Raum. Und kaum ist das Pärchen in Big Mamas Hinterstube eingekehrt, bekommt die junge Dame mit der ungewollten Füllung auch schon eine Betäubung verpasst und die Abtreibung ist (letzten Endes gegen ihren Willen) in vollem Gange.

“Das ist der größte Fetus [sic], den ich in meiner langen Praxiszeit gesehen habe“ “Und was mache ich?“
“Du lernst es nie! Vernichte ihn so, wie ich es dir gezeigt habe.“

Nur liegt genau hier das titelgebende Problem des Films: Der Röhrenbraten ist nicht etwa den Weg aller linksdrehenden Fäkalien gegangen, nein, er landet in der hauseigenen Kloake, wo er mit einer toxischen Substanz in Berührung kommt und sich allmählich in eine mörderische Entität verwandelt, die all den sündigen Anwesenden ans Leder will. I love when that happens.

Ich frage mich, ob das immer noch zum viel besungenen 'Circle of Life' gehört...

Ich denke, auch den unaufmerksamsten Lesern wird allmählich klar, dass ’The Suckling’ einer dieser Filme ist, bei denen man die meiste Zeit über “WAS IST HIER BLOSS LOS?” quieckt und dabei die Hände über dem Kopf zusammenschlägt.
Dabei halten sich hier inszenatorische Inkompetenz und idiosynkratischer Ideenreichtum konstant die Waage, bis sie sich schließlich auf einen Eimer Blut in Tante Henriettas Obstkeller-Bar zurückziehen und im Liebesakt miteinander verschmelzen.
Überflüssig anzumerken, dass die Wertung dieser Vereinigung im Auge des Betrachters liegt (und wenn ich mich bei den Kollegen so umschaue, begegnet man ’The Suckling’ beinahe ausschließlich mit Abscheu und/oder Langeweile), aber Leute: Ich fand’s toll.
Dieses subjektive “toll“ ist vom substanziellen “gut“ so weit entfernt, wie ’Sucklings’ Kautschuk-Kalle von Gigers Xenomorph, aber als Fan von abwegiger Horrorgülle, Troma-Wahnsinn und Harlan Ellisons grandioser Kurzgeschichte ’Croatoan’* habe ich genau die passende (Un)Empfindlichkeit für diese Art von Zelluloid-Schmutz.

Mutterkuchen-Fensterkitt

Als mittendrin klar wird, dass die Fenster und Türen des Gebäudes von seltsamem Membrangewebe verbarrikadiert sind, ist die Hysterie perfekt und die Nerven im Haus liegen blank. Das daraus resultierende Überlebens-Drama wird vom kontinuierlichen Auftauchen des überproportional aberwitzigen Monsters aufgelockert und von grandiosen Ideen der gefangenen Insassen gekrönt (“Hört zu, ich hab eine Idee. Wir bauen einen Rammbock!”) Die Hälfte der hysterischen Happen kommt schließlich dank der eigenen Dummheit ums Leben. Ungeschlagenes Highlight: Das Zerbrutzeln und anschließende Zerplatzen des anwesenden Oberarschlochs, dank eines wohlplatzierten Schlages mit dem Stahlrohr auf den Sicherungskasten.

"Heeeeeeeeeeeeeeeeeeere's SUCKY!"

Dabei möchte ich die Aufmachung und FX in Anbetracht der allgemeinen Schundheit des Streifens (und meiner eigenen Erfahrungen in den unauslotbaren Tiefen dieses Genres) fast schon als unterhaltsam effektiv loben. Hat man anfangs dank der prekären Thematik noch etwas zu schlucken, als der Fötus aus dem Rohr in den Kanal flutscht und seine Killergliedmaßen wetzt, wird beim Anblick des ausgewachsenen Monsters nur noch der Schenkel geklopft. Zudem endet der Film (nach einem hanebüchenem Killer-Finale) mit einem Abspann in dessen Credits Einstellungen einer scheinbar nicht verwendeten Effekt-Szene verbaten werden. Die war halt gedreht und die war ja auch nicht verkehrt und die hatte sich der artige Zuschauer, der ’The Suckling’ bis dahin durchgestanden hat, auch verdient. Da ließen sich die Macher nicht lumpen. Leider (?) hörte oder sah man danach nie wieder etwas von ihnen.

Pinky-Pointing
Die mänlichste Art der Drohung
Gleiches gilt auch für den Großteil der Belegschaft vor der Kamera, deren amateurhaftes Spiel beim wohlgesonnenen Zuschauer mit Beißholz irgendwann die Hürde von kopfschüttelndem Entsetzen zu hysterischer Belustigung nimmt oder (was wahrscheinlicher ist) von vorn herein als absolut inakzeptables Schmierentheater entlarvt wird.
Dennoch bescheren auch sie uns unvergessliche Momente. Zum Beispiel jenen, in der Big Mama ihren zum Abtreibungs-Tool umfunktionierten Kleiderbügel von Gekröseresten reinigt, schließlich einen Mantel darauf packt und Nutte Candy ermahnt “Ihr sollt doch Kondome nehmen!“, woraufhin diese sinniert: “Alles, was die Kerle heutzutage wollen, ist einen schnellen Orgasmus zu kriegen. Ich schätze, so hat wohl jeder seine Probleme.“

No comment left

Der mittlerweile zum Standard gewordene Disclaimer “Natürlich kann ich Streifen dieser Art unmöglich ohne Weiteres empfehlen”, versteht sich von selbst. Aber Fans von Absurditäten a la ’Plutonium Baby’ und Frank Henenlotters (ungleich genialeren) Filmen ’Elmer’, ’Basket Case’ und ’Bad Biology’ sollte der vorliegende Film einen Ausflug in die Kloake wert sein. Selbstverständlich verschenkt ’The Suckling’ thematisches Potential und wäre womöglich von einem versierten Bahnhofskino-Dirigenten wie Henenlotter ins nächste Level katapultiert worden.

Vom futschen Fötus zum killenden Kellerkind
Daran ist aber auch die Gesellschaft schuld!
Aber im Vergleich mit all den meisten der zahnlosen, verbockten, schnarchigen und schlichtweg überflüssigen Horrorfilmen gleicher Couleur, bleibt ’The Suckling’ mit seiner schnurstracks bescheuerten Prämisse und auch trotz all seiner Unzulänglichkeiten letztlich kleben und die Intention den Machern unbelassen.
Welche Intention?
Nun, wie der Schnapsbuden-Verkäufer aus ’Street Trash’ schon sagte:
Das kann man nie wissen.
Ich weiß jedoch eines: Wer seine lasterhaften Protagonisten 90 Minuten lang in einem von Uterus-Membranen verklebten Puff mit anliegender Abtreibungsabteilung von einem zum Gummimonster mutierten Fötus herumscheuchen lässt, MUSS sich etwas dabei gedacht haben.



* In welcher ein Mann sich auf der Suche nach dem abgetriebenen Kind seiner Freundin in die Kloaken der Großstadt begibt und dort eine Zivilisation von Kindern findet, die auf ebenfalls im Klo hinabgespülten ausgewachsenen Krokodilen reiten. Yup, you read that right.


Hudson