The Vineyard


‘An island of death fueled by the blood of its victims.’


Originaltitel: The Vineyard (1989) Regie: James Hong
Drehbuch: James Hong, Douglas Kondo, James Marlowe & Harry Mok
Darsteller: James Hong, Karen Witter, Michael Wong FSK: 18


Mal ganz unter uns: Ich wollte wirklich nie in meinem Leben eine Bettszene mit James Hong sehen. Klar, ich mag den alten Kauz, doch ihn dabei zu beobachten, wie er sich (Oberkörper frei) in den Laken mit einem zweitklassigen Betthäschen verlustiert… now, that’s a fuckin’ NO GO!
Dennoch geschieht genau das in der ersten Szene von ’The Vineyard’, einem schrulligen Horror-Filmchen, das noch einige weitere Absurditäten aus dem Ärmel schütteln soll.

Man nennt ihn nicht
umsonst Doktor Po!
So eilt Hong in seiner Rolle des Dr. Elson Po nach besagtem Schäferstündchen erst einmal in den Keller, wo er in Ketten geschlagenen, leicht bekleideten Damen Blut abzapft und es sich (nach einem Mix im Cocktail-Shaker aus Menschenknochen) selbst verabreicht.
Es stellt sich heraus, dass Dr. Po ein waschechter Mad Scientist mit spirituellen Connections in die Anderswelt ist, der auf seiner eigenen Insel einen speziellen Wein anbaut, der in den Auktionshäusern der Schönen und Reichen bis zu 50.000 Piepen die Flasche bringt. Da er natürlich immer an neuem Frischfleisch für die Herstellung des edlen Tropfens interessiert ist, schickt er auch hin und wieder Fruppen-Scouts auf’s Festland, die dann unter fadenscheinigen Ausreden (wie zum Beispiel: Dr. Po lädt zum Filmcasting ein. Kommt doch vorbei!) schöne und junge Menschen auf die Insel locken. Dieses Mal am Start: Eine Laiendarsteller-Truppe um die blonde Jezebel, die Dr. Po bald ins Auge fällt. Jetzt muss er nur noch ihre lästigen Begleiter loswerden. Vor allem den jungen Reporter-Nerd Jeremy, der das Geheimnis von Pos Wein ergründen will. Letzterer faselt zwar etwas von der Magie des Yin und Yang, doch tatsächlich liegt es wohl eher am menschlichen Dünger und seiner Mad-Scientist-Destille im Keller…

“Was ist das?“
“Keine Angst, nur wilde Hunde!“

Meine Güte, ’The Vineyrad’ ist ohne Frage eins der schwachsinnigsten Machwerke des Horror-Zirkusses der späten Achtziger und wirft zudem mehr Fragen auf, als man in 90 Minuten beantworten kann.

Ziel auf den Po!
Etwa warum Dr. Po alle männlichen Besucher in den Weinbergen begräbt… oder besser, warum er sie so schlecht vergräbt, dass sie zur Hälfte heraus kucken und den neuen Besuchern, die auf den Weinbergen im Rausch tanzen, an die Hacken packen? Und wenn wir schon dabei sind… Warum lässt Dr. Po seine Gäste in den Weinbergen tanzen, wo halbgar verscharrte Leichen lauern, obwohl er doch ganz andere Pläne mit ihnen hat? Und wieso leben die Leichen überhaupt? Und warum ist Dr. Po ein alter Mann, obwohl er über das Geheimnis der ewigen Jugend verfügt? Und, ach ja, weshalb betet Dr. Po zu einem Gott mit atztekischem Namen (“Ich rufe dich an, oh großer Axolotl*, mächtiger Lord der Winde!“), wo sein Vater doch ein Krieger der Ching-Dynastie war (und seine Kindheit sogar in Rückblenden als eine Art ’Tiger & Dragon’-Outtake gezeigt wird)?
Ich könnte jetzt auch noch nach dem Werwolf fragen, der nachts ums Haus schleicht oder nach den Motiven des homosexuellen Party-Animateurs, wann immer er “Oooh, Dr. Po!“ raunt, aber lassen wir das einfach mal und lachen uns schief über diese absolut verkorkste Horror-Farce aus der Feder und unter der Regie von Hauptdarsteller James Hong (’Chinatown’) persönlich. Was sich Hong hierbei gedacht haben mag, kann man nur ahnen. Womöglich wollte er sich selbst ein kleines Denkmal setzten. Bleibt eine Frage übrig, nämlich, ob es jemals jemand entdecken wird… in den untersten Videoregalen der Horror-Ecke (Best-Case-Scenario) oder im Ramsch-Schuber der Videothek des Vertrauens.

“Ich kann nicht mehr. Sie werden uns töten. Ich will aber noch nicht sterben … Was sollen wir jetzt tun? Dr. Po ist vollkommen wahnsinnig geworden. Wir werden alle sterben. Ich habe Angst. Ich habe Angst. Ich kann nicht mehr!“

"ZENSUR!!!"

Bunte Darsteller (tolle Hemden, hysterische Weiber, zuviel Geschwätz), blasse Henchmen (olle Hemden, dicke Bärte, nix Gehirn), ein irre summender Multi-Kulti-Hexer (der selbst vor Voodoo nicht zurückschreckt), alle möglichen Exkremente aus der Schock-Genre-Truhe (Zombies, Hexen, Kellerbräute) und alles für eine handvoll Yen inszeniert vom netten Freezer-Fritze aus ’Blade Runner’, der mal lieber in seiner Nische hätte bleiben sollen. Absolut unglaublicher Blödsinn, der nur haarscharf am FlausenDummy vorbeischrammt.



* PS: Ein Axolotl ist auch kein atztekischer Gott, sondern ein mexikanischer Schwanzlurch, der nach einem atztekischen Gott (Xolotl) benannt wurde.

Hudson