Unternehmen Leopard


‘Wir bringen den Tod’


Regie: Toranong Seechua
Darsteller: Peter Akara, Ron Ritti, Mel Asswat FSK: ungeprüft


“DIE MANNSCHAFT:
Mörder, Diebe, gescheiterte Existenzen, Freaks und Outlaws

IHR AUFTRAG:
Zerstörung eines feindlichen Geheimdienstes

NAME DER OPERATION:
UNTERNEHMEN LEOPARD

Steht jedenfalls hinten auf der speckigen VHS-Hülle. Und das liefert der Film dazu: Die Spezialeinheit ’Die fünf Söldner des Todes’ (Moment: Mörder, Diebe, gescheiterte Existenzen, Freaks und Outlaws … hm, stimmt, sind fünf) preschen auf geheimer Mission durch’s wilde NAM. Die Mission ist so geheim, dass weder der vietnamesische Geheimdienst, noch der Drehbuchautor und schon gar nicht die Zuschauer wissen, worum sie sich eigentlich dreht. Hier und da werden seichte Hinweise von der Lippe gelassen (“Wir müssen den Ho Chi Minh-Pfad unterbrechen!“ aha), aber was letztlich dabei rumkommt, passt sowieso in kein nachvollziehbares Handlungs-Schema. Denn hier wird geballert, geschlitzt und gemeuchelt ohne Sinn und Verstand und mit Schwerpunkt auf … ach nee … ’ohne Sinn und Verstand’ sagt ich ja bereits.

Schranke...
Bewaffnet mit Armbrust, Pfeil & Bogen und Schießgewehr und geschminkt wie 5 Tunten auf dem Karneval in Rio, ziehen die Jungs durch’s Delta und knallen Schorsch nach Scharlie ab. Optisch unterscheiden sich die Haudegen nur peripher. Einer hat lange Haare, einer hat ’nen Bart und ’nen Iro und einer hat eine ausgeblichene Henkersmaske auf der Rübe. Die anderen beiden haben Schweiß unter den Armen. Während die verwegenen Fünf durch den Buschwald hampeln, sind woanders im Frauenlager der Nin… pardon, im Gefangenenlager des Vietcong zwei Imperialistenschweine höheren Ranges nach dem Plan des Feindes ’ausgefragt’ worden. Und zwar von einer Frau, die einst von jenen imperialistischen Zeitgenossen geschändet wurde.
Kurzum: Jeder bringt jeden um. Die Frau Oberst aus dem Straflager ihre imperialistischen Gefangenen, weil deren Regierung einst ihre Eltern umbrachte. Und der Söldner mit Bart und Iro eine Gefangene Kommunistin, weil ihm in einer Rückblende mal eine Frau mit Reishut von hinten in den Rücken geschossen hat. Da pocht natürlich jeder auf sein Recht, durch Erfahrung erworben. That’s the ‘Circle of Life’, my friends. Und nicht der Scheiss, von dem Elton John singt!

“Ich hau ab.“
“Gehen wir zurück nach Thailand?“
“Warum nicht.“
“Gut, ich komm mit.“

...Tanke...

Au weiharrharr. Das war wirklich übelster Nam-Trash ohne Gnade. Und zwar aus dem Hause IDF - Films & Art, das sonst ja hauptsächlich für seine grottigen Ninja-Schnipseleien bekannt ist. Wer letztere schon einmal gesehn hat, muss sich nur sämtliche Ninja-Szenen (samt Ninja-Synchro) weg- und eine NAM-Handlung dazudenken und fertig ist die Parade.
Im Klartext bedeutet das: Obskure Dialoge (auch ohne ’Ninja’ in jedem 2. Satz noch obskur genug), brutale Schusswechsel und Charaktere die sie (grob gesagt) einfach nicht mehr alle haben. Die Darsteller-Qualität lässt mehr als zu Wünschen übrig, was aber nicht auffällt, da das auf den dreckigen Rest genau so zutrifft.

...und Funke...
Dabei kommt ’Unternehmen Leopard’ von Zeit zu Zeit fast wie eine psychedelische Reise durch den Dschungel Vietnams daher. Zum pochenden Rhythmus eines Herzschlages gibt es Slow Motion-Szenen, in denen sich zwei Männer bis auf’s Blut bekriegen. Dann wieder sehen die Protagonisten drei nackte Frauen im Fluss baden und schleichen sich lüstern heran, nur um von einer der Damen mit einem (aus dem Nichts hervorgezauberten) ratternden, knatternden Maschinengewehr (vor den nackten, im Takt der Kugeln vibrierenden Brüsten) in die Flucht geschlagen zu werden.
An absurden Szenen mangelt es dem Film wahrlich nicht. So zum Beispiel die diversen Aussetzer der ’Fünf Söldner des Todes’. Während einer von ihnen schier irre durch den Forst humpelt und immer wieder “Tod den roten Schweinen!“ schreit, nimmt der Herr mit der Henkersmaske selbige zum Lüften von der Rübe und dreht darauf völlig durch (will sagen: Packt seine Machete aus und hackt damit in der Gegend herum.) Kommentar seines Kameraden: “Der verliert die Nerven. Er hätte seine Mütze nicht abnehmen sollen.“

Nichts aber schlägt folgende Szene: Gerade wurden wieder ein paar Vietcongs zusammengefaltet, als einer der Fünf dem letzten Überlebenden den Gnadenschuss verpassen will. Da stoppt ihn sein Kollega.
“Langsam, nicht so voreilig! Wir brauchen ihr Blut.“
SCHNITT! LENS FLARE EINBLENDE!
Langhaar-Söldner lehnt an einer Felswand. Vom Baum nebenan hängt ein (nunmehr toter) Gefangener kopfüber. Daneben hockt ein sichtlich erholter Iro-Söldner.
Langhaar: “Geht’s dir schon besser?“
Iro: “Ja, viel besser. Ich hatte Glück, dass er die gleiche Blutgruppe hatte wie ich.“

...gemeinsam ins Glück!

Fazit: Indonesischer Dschungelkrieg-Bullshit, der bis durch die Röhre stinkt, was zeitweise aber auch der Wirkung von Lachgas gleichkommt. Trotzdem durch und durch schlecht. Aber immerhin zeigt ’Unternehmen Leopard’, dass nicht nur den Amis, sondern auch anderen Deppen in NAM der Arsch aufgerissen wurde.



PS: Was haben die Honks von IDF eigentlich in Indonesien zu suchen? Gibt’s da Ninjas?

Hudson